Architektentipp: Einfach bauen, gesund wohnen – zu vernünftigen Kosten
Klimafreundlich bauen, Kosten sparen und in einer wohngesunden Umgebung leben – wie das möglich ist, erläutert Ihnen unser Experte Prof. Thomas Auer von der TU München. Dabei regt er an, den Begriff „Komfort“ neu zu denken.
Die aktuelle Architektur ist zu kompliziert. 95 Prozent der Gebäude funktionieren nicht wie geplant. Der technische Aufwand steht in vielen Fällen in keinem gesunden Verhältnis zur Energieersparnis. Das aktuelle Gebäudeenergie-Gesetz (GEG) und das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) gewichten zu sehr den berechneten Energiebedarf. Es muss einfacher gebaut und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt werden – unter Einbezug der „grauen Energie“. Diese bezeichnet die Energiemenge, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung von Bauprodukten aufgewendet werden muss.
Tipp 1: Einfache Konstruktionen wählen
Bewusst einfach gebaute Forschungshäuser der TU München (Forschungscluster „Einfach bauen“), die lediglich die gesetzlichen energetischen Mindestanforderungen erfüllen, haben demonstriert, dass Lowtech-Architektur funktioniert – unabhängig davon, ob Ziegel, Holz und Leichtbeton verbaut sind. Fünf von sechs Wohnungen haben weniger Energie verbraucht als prognostiziert. Zu den baulichen Grundsätzen, die beachtet werden sollten, gehören: einschichtige Wand- und Deckenkonstruktionen, ausreichende Speichermasse, um Hitze- und Kältephasen auszugleichen, sowie die Trennung von Gebäude und Techniksystemen.
Tipp 2: Raumhöhe, Fenstergröße und Belichtung richtig dimensionieren
Wichtig sind auch angemessene Fensterflächen und Raumhöhen. Räume mit größerer Deckenhöhe lassen sich durch hohe, schmale Fenster in der Tiefe besser beleuchten. Auf diese Weise ist weniger Fassadenfläche im Verhältnis zur Grundfläche erforderlich, was sich im Sommer wie im Winter positiv auf das Raumklima auswirkt. Weiterer Vorteil: Dank des relativ geringen Fensterflächenanteils an der Fassade ist ein Sonnenschutz, der normalerweise eine klassische Wärmebrücke darstellt, überflüssig. Trotzdem wird eine gute Tagesbelichtung erreicht.
Tipp 3: Leitungen auf Putz verlegen
In vielen Fällen ist ein schwimmender Estrich verzichtbar. Sanitär- und Elektroleitungen lassen sich dann in Sichtinstallation (auf Putz) verarbeiten. Bei geschickter Gestaltung fallen die Leitungen optisch nicht negativ ins Gewicht.
Tipp 4: Auf möglichst niedrige Emissionen achten
In vielen Gebäuden gibt es bedenkliche VOC-Konzentrationen (für Volatile Organic Compounds = flüchtige organische Verbindungen), die als gesundheitsgefährdend gelten. Um wohngesunde Räume zu schaffen, sollten nur emissionsarme Produkte verwendet werden, die zum Beispiel mit dem Emicode-Siegel versehen sind. Diese Produkte enthalten weder Lösemittel noch phthalathaltige Weichmacher und sind frei von schädlichen VOCs. Die GEV – Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte vergibt das Emicode-Zeichen nur an Produkte, deren gesundheitliche Unbedenklichkeit durch strenge Laborprüfungen festgestellt wurde. Hersteller müssen ihre Produkte regelmäßigen Kontrollen in Form von unangemeldeten Stichproben unterziehen und dürfen nur mit einem Emicode-Siegel werben, wenn es spätestens alle fünf Jahre erneuert wird.
Tipp 5: Unnötiges weglassen
Nicht nur technisch, sondern auch im Hinblick auf Komfort sollte über eine Vereinfachung nachgedacht werden. Weniger kann manchmal mehr sein. Es ist zum Beispiel ein Irrtum zu glauben, dass Klimatisierung zu weniger Beschwerden führt – nur zu anderen. Wagen Sie ein bisschen „healthy discomfort“, etwas gesunden Komfortverzicht.

Foto: GEV/Stefanie König
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